Aus Indien 
adoptiert

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Fabienne  *1978

Coach

Ein adoptierter Mensch trägt immer eine Verlustangst in sich. Er könnte, wenn er nicht genug leistet, ja wieder weggeben und von den Eltern getrennt werden. 

Ich wurde als Baby von zehn Monaten aus Indien, Kerala, von einer Deutschen und einem Franzosen, die drei eigene Kinder hatten, nach Deutschland adoptiert. Ich nenne die beiden Mutter und Vater. Wir verbrachten die Schulferien immer in Frankreich und ich liebe diese Kultur bis heute. 

 

In den 70er Jahren waren dunkelhäutige Menschen nicht üblich. Ich war meist die Einzige. Auch wenn man mir äusserlich ansah, dass ich aus einer anderen Kultur stammte, fühlte ich mich immer als weiße Deutsche. Den Platz in der europäischen Gesellschaft zu finden, ist für einen adoptieren andersfarbigen Menschen eine größere Herausforderung, als sich ein Einheimischer vorstellen kann. Die Entwurzelung von den leiblichen Eltern ist an sich schon ein Trauma. Unbewusst fühlt man sich nie ganz richtig. Dazu kommt die Verlustangst, wieder weggebeben zu werden, wenn man etwas falsch macht. Meine europäischen Eltern waren Nachkriegskinder und sind selber unter großem Leistungsdruck aufgewachsen. So galt in der Familie die Maxime: «Wer nichts leistet, ist nichts nutz und wird nicht geliebt».  

Schule, Berufswahl und die ersten Berufsjahre absolvierte ich mit großem Einsatz und Fleiss. Dem Leistungsdruck verdankte ich den Ansporn zum Erfolg. In der Ausbildung zur Notarfachangestellten lernte ich, dass Humor für mich wichtig, aber in dieser Branche nicht angesagt war. Im Anschluss studierte ich Handelsmanagement und lebte ein halbes Jahr in Australien. Nach einigen Zwischenjobs fand ich eine Anstellung als Assistentin einer Geschäftsführung. Mein Vorgesetzter war eine Herausforderung, doch ihm verdanke ich ein gesundes Selbstvertrauen in meine Kompetenzen.

Ich interessierte mich schon immer für Psychologie. Schon als Kind erkannte und deutete ich Krankheiten und Unstimmigkeiten und ging meinen Eltern damit auf die Nerven. Ich glaube, dass dieses intuitive Wissen mein indisches Erbe ist. Meine Adoptivfamilie tat früher meine Ansichten über Mindset, Psychologie und übersinnlichen Wahrnehmungen ab. Heute freut es mich, dass sie dafür offen ist und insbesondere meine Mutter dieselben Bücher wie ich liest. 

Zum Coaching wurde ich «geschubst». Eine Bekannte schickte mir ungefragt Unterlagen für eine Ausbildung. Erst konnte ich nichts damit anfangen, doch als sich eine weitere Freundin bei mir bedankte, weil sie sich von mir gut beraten fühlte und ich meine Gabe zum Beruf machen sollte, fiel der Groschen. So bildete ich mich im Systemischen Coaching, Verkaufstraining und NLP weiter. Ich wurde in diesen Trainings gefordert, mich tief mit mir und meinen Wurzeln, Stärken, Blockaden und Visionen auseinanderzusetzen. In dieser Zeit sind mir meine kulturellen Prägungen und die Traumata meiner Kindheit bewusst geworden. 

Ich sehe es als weitere Fügung, dass mir eine Frau zu einem ersten Job im Projektmanagement verhalf und ich nahtlos vom Angestelltenverhältnis in die Selbständigkeit wechselte. In der Männerdomäne lernte ich, dass die richtige Gesprächsführung ein Schlüssel zum Erfolg ist. Ich verfeinerte meine Sprache mit einer weiteren Ausbildung in gewaltfreier Kommunikation (gfk). Die Gewaltfreie Kommunikation ist eine Verständigung der Klarheit, Wertschätzung und Empathie. Gerade in der Businesswelt öffnet dies Türen.  

Ich bin in nun seit bald zehn Jahren im Projektmanagement und im Systemischen Coaching selbständig. Heute sehe ich in meiner außergewöhnlichen Prägung mein Erfolgsgeheimnis. Das indische Erbe schenkt mir eine untrügliche Intuition, die deutsch-französische Erziehung Pragmatismus, Lebensfreude und Neugierde, mich stets weiterzuentwickeln und andere in ihre Einzigartigkeit zu erwecken.

Webseite:  https://dugave.de 

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