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Uli | *1970

Textildesignerin und Kunstmalerin

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"Die Vorstellung meines Vaters war, das ich nach der Ausbildung heiraten und Kinder kriegen sollte. Ich wollte Malerei und Grafik studieren und die Welt bereisen."

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Die Künstlerin hat sich die Krone aufgesetzt

Meine Mutter hatte wunderschöne, lange, hochgesteckte Haare. Es wundert mich eigentlich, dass mir mein Schopf immer kurz geschoren wurde. Wahrscheinlich lag es daran, dass ich als Sandwich-Kind zwischen zwei Buben mitlief und das Haareschneiden in einem Aufwasch erfolgte. Ich wuchs auf dem Land in der Nähe von Judenburg/Ö auf. Bei uns musste alles praktisch, schnell und alltagstauglich sein. Handwerk und Anpacken gehörte in unserer Familie über Generationen hinweg zum höchsten Gut. So lernte ich wie meine Brüder mit Werkzeug umzugehen und verdanke meiner Kindheit ein solides handwerkliches Geschick.  Auf dem Dorf wurde alles Unnötige als Firlefanz abgetan. Unsere Familie bestand aus Bauern. In ihr gab es auf weiter Flur keine Akademiker und Künstler schon gar nicht. Diese wurden als arm, brotlos und Sozialschmarotzer wahrgenommen. Die Kunst und der erweitere andere Blick auf die Welt zogen mich jedoch schon als kleines Kind in den Bann. Die Arbeiten von Edgar Degas inspirierten mich so sehr, dass ich in meinem Zimmer im Versteck heimlich Balletttänzerinnen aus dem Gedächtnis zeichnete, anstatt Hausaufgaben zu machen.  Die Vorstellung meines Vaters war, dass ich nach Hauptschule und Polytechnikum heiraten und viele Kinder kriegen sollte. Ich hingegen wollte Malerei und Grafik studieren und danach die Welt als Künstlerin bereisen. Es brauchte viel Überzeugungskraft, Vater dazu zu bringen, mir zu erlauben, die Matura zu machen und meinen eigenen Weg zu gehen.  Ich wurde nicht direkt Künstlerin, aber eine Textilingenieurin. Mit dem Zusammenbruch der Branche fand ich jedoch nach meinem Abschluss keinen Job und so wechselte ich mit meinem chemischen Knowhow in die medizinische Forschung. Die Sehnsucht nach Menschenkontakt war mein Auslöser, Jahre später in den Aussendienst zu wechseln. Ich verkaufte medizinische Geräte und hatte ein beachtliches Einkommen. Nebenbei schlug mein Herz heimlich für die Kunst und Schönheit.  So organisierte ich mir neben meinem Beruf ein Kunststudium bei verschiedenen namhaften Professoren und ich studierte Kunstgeschichte in Wien und Basel. Auch in der Kunst bin ich eine Forscherin. Ich will durch sie verstehen und mir Wissen aneignen. Professor Jo Bukowski, Prof. Dr. Friedrich Teja Bach und Prof. Dr. Sebastian Egenhofer prägten mich auf meinem künstlerischen Weg am meisten. Das Mittelalter und die Malerei der Neuzeit inspirieren mich. Seit der Moderne sind Künstler nicht mehr Leibeigene eines Auftragsgebers, sondern sie sind dem eigenen Schaffen gegenüber verpflichtet. Ich kenne alle Techniken und Stile, doch ich orientiere mich nicht danach. Meine kreative Arbeit ist ein Erschaffen aus meiner inneren Welt heraus und kann keinem Stil direkt zugeordnet werden.  Vor drei Jahren (2018) wagte ich wider aller ökonomischer Vernunft mit Ulala Vienna den Schritt in die Selbständigkeit. Ich entwerfe heute Musterdesigns für Stoff und Tapete und kreiere damit Räume mit einer ganz individuellen Identität. Seit ich denken kann, bin ich eine Beobachterin meiner Umgebung und der Natur. Mich fasziniert die Form, bzw. die Hülle, die alles umgibt. So komme ich zuweilen auch zu philosophischen Betrachtungen:  Jedes Lebewesen, jedes Organ, jede Zelle hat eine Haut oder eine Schale. Man könnte auch sagen, wenn etwas ist, ist es von einer Hülle umgeben. Wir tragen Gewandhüllen, leben in Gebäudehüllen und auch das ganze Universum wird als etwas Umschliessendes wahrgenommen. In meiner künstlerischen Auseinandersetzung interessiert mich die Konfrontation mit der generellen Frage des Um- oder Verhüllens und der dadurch neu enstandenen Wirklichkeit des Objekts. Wo das Verborgene durchschimmert und eine Simultanität des Davor und des Dahinter existiert, entstehen Räume in denen spekuliert und fantasiert werden kann. Dort werden Geschichten und Mythen erzählt, es entsteht Unschärfe und was bleibt ist immer ein Geheimnis.  Meine künstlerische Auseinandersetzung in der Malerei unterstützt mein Verstehen von Farbe und Form. Für mich bildet sie die Brücke zu den Musterdesigns, die in ihrer materialisierten Form als Stoff und Tapeten zu Hüllen werden. Malerei und Musterdesign stehen für mich nicht nebeneinander - sie bedingen sich gegenseitig. 2021

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