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Lied

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Ein Lied auf den Lippen 

Mit Schlagern, Marschmusik und Lumpenliedern war im Haus meiner Kindheit immer Musik. Meine sanfte Stimme ging im Lärm des Bauernbetriebs meist unter, aber das störte mich nicht.  Einzig, Klavierspielen hätte ich gerne gelernt. Doch dafür hatten meine Eltern kein Gehör. Sie meinten, ich würde wie alle vier älteren Geschwister eh wieder mit dem Instrument aufhören und es wäre nur Geldverschwendung. Mir blieb das Lied auf den Lippen. Manchmal bekam es die Katze auf dem Schoss oder die Spatzenschar vor dem Balkon meiner Patin, meiner improvisierten Bühne, zu hören. 

In der Schule lobten die Lehrer mein Sprachtalent und die Klarheit meiner Stimme. Durch sie ermutigt, schrieb und sang ich erste Lieder. Mit der Pubertät wurden Scham und Scheu jedoch lauter als meine Stimme. Obwohl ich insgeheim immer damit liebäugelte, selber auf der Bühne zu stehen, fühlte ich mich als Groupie der Schülerband am sicheren Ort. Jahrelang himmelte ich Jungs an, die mit drei Akkorden auf der Klampfe einen auf Bruce Springsteen machten. Ich blieb still im Hintergrund. Auf der Frachtschiffsreise von Hamburg nach Sydney lernte ich von einem polnischen Matrosen Gitarrenspielen. Ich war hell entzückt, mich endlich selbst begleiten zu können und mit den Matrosen Beatles-Songs, polnische und Schweizer Volkslieder zu singen. Kaum war ich zurück in der Schweiz, kehrte meine Schüchternheit zurück. 

Mit Mitte zwanzig erschien mir Frank Sinatra im Traum. Er zerrte mich hinter dem Vorhang auf die Bühne und hiess mich: "Sing! Nimm endlich deinen Platz ein!" Gesangsstunden ermutigten mich, über meinen Schatten zu springen und meine Unsicherheit zu überwinden. Durch Fügung kam ich als Backgroundsängerin zu meiner ersten Band in einer Kleinstadt. Sicher fühlte ich mich nicht. Aber es war eine coole Zeit und es war toll, nicht mehr nur im Publikum zu stehen. Die Bandformationen wechselten und als ich Mama wurde, passte das Partyleben nicht mehr zu mir. 

2000 kam Matthias. Unsere Stimmen und unser Songwriting passte zusammen. Aber nicht nur das. Seit fünfundzwanzig Jahre begleiten wir uns nun im Gesang und im Leben. Wir machen Musik, wo und wann es uns grad passt. Wir komponierten seither über einhundert Lieder in verschiedenen Sprachen. Zur Windelzeit unserer Kinder nahmen wir die Songs auf einem improvisierten Tonstudio auf dem Bügelbrett auf. Mitmusiker kamen und verabschiedeten sich wieder. Andy am Piano und Cellist Philippe sind nun schon mehrere Jahre treue Bandbuddies bei Harvestmoon

 

Unsere Kinder - ein Mädchen und zwei Jungs - sind inzwischen erwachsen. ​Letztes Jahr stand alles im Zeichen des Neuanfangs, bis mich ein verdrängtes Trauma "hinterhältig" einholte: Mir versagte die Stimme bei Konzerten und bei den Aufnahmen der Podcast-Produktion der Briefe. Da ich zeitgleich am Biografie-Workbook schrieb, wurde mir klar, dass es höchste Zeit war, meine eigene Geschichte aufzuarbeiten. Was ich aus Erzählungen wusste, erlebte ich in therapeutischer Begleitung noch einmal physisch: Die Atemnot als Säugling. Gleich nach der Geburt erkrankte ich an Keuchhusten, schwebte zwischen Leben und Tod, weil ich keine Luft bekam. Meine Ankunft ins Leben war ein Ringen. Daran erinnerte sich mein Zellgedächtnis 2025 beim öffentlichen Sprechen und Singen heftig. 

Ich nehme mir nun ein paar Monate eine Auszeit von öffentlichen Auftritten, um der Heilung allen Raum zu geben und um mir klar zu werden, ob ich mein Lied überhaupt noch öffentlich singen möchte. Schön, gibt es Zeitzeugnisse unserer Lieder.

 

Was bleibt? Die Geschichte und die Lieder! 

​​Homepage Harvestmoon Band 

Songs Harvestmoon 

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